Niels-Peter Binder

"Besser nicht nach oben sehen"
4. Auflage des Schleswiger Treppenlaufs: Silvana Stief und Björn Nahnsen nach zehn Mal 100 Strufen die schnellsten Athleten

SCHLESWIG Mit einem Lauf für den besonderen Geschmack vollzogen die Lauffreunde aus der Region den Wechsel vom Laufsommer in die sportliche Herbstzeit. Beim 4. Schleswiger Treppenlauf kamen alle jene zu ihrem Spaß, die es mögen, wenn etwas mehr Kraft gefordert ist und der Puls richtig in die Höhe gejagt wird. Genau das bot erneut der Treppenlauf. Auf der Gesamtstrecke von sechs Kilometern hatten die 25 unerschrockenen Starter in Schleswig insgesamt 1000 Stufen zu bezwingen. Die 100 Stufen der Lollfußtreppe zwischen dem Lollfuß und der Michaelisallee waren zehn Mal hinaufzurennen. Nur die Bergabpassage in der Michaelisallee gab nach dem kräftezehrenden Anstieg auch in jeder Runde immer wieder eine kurze Gelegenheit, für einen Moment durchzuatmen.

Die großen Stufen der altehrwürdigen Treppe forderten die Aktiven immer wieder aufs Neue heraus. Während manche Cracks die Treppe offensiv ins Visier nahmen und so lange wie möglich auch zwei Stufen mit einem Schritt nahmen, kämpften sich andere mit konzentrierten Blick auf die Füße Stufe für Stufe den Anstieg hinauf. "Besser ist es, nicht nach oben zu gucken", empfahlen einige erfahrene Treppenläufer den Debütanten, die erstmals die von Spiridon Schleswig initiierte Herausforderung annahmen.

Genaun diese Rennmethode wählte auch die mit der Lollfußtreppe bestens vertraute Silvana Stief. Mit kleinen, aber vergleichsweise leichtfüßig wirkenden Schritten nahm die 44-jährige Runde für Runde auch die schwersten Meter und zog so ihren Konkurrentinnen davon. Nach 34:12 Minuten durfte Silvana Stief so zum zweiten Mal nach 2012 als Siegerin die Ziellinie überqueren. Heike Kaack (SG Athletico Büdelsdorf/36:45 Min.) und Vorjahressiegerin Elke Raab (LAV Husum/39:00 Min.) folgten auf weiteren Medaillenrängen.

Bei den Männern siegte indes mit Björn Nahnsen ein Treppenlauf-Debütant. Der 37-jährige vom SV Enge-Sande setzte sich schon früh von den Verfolgern ab und ließ sich von den Stufen nicht ermüden. Obwohl der Nordfriese in einer eher flachen Landschaft beheimatet ist, kam er nicht unvorbereitet zum Treppenlauf. "In der Vorbereitung bin ich schon einige Male den Stollberg bei Bredstedt hinaufgerannt", erklärte der neue Sieger. In 28:31 Minuten hielt Nahnsen seine Verfolger auf Abstand. Hinten dem siegreichen Ausdauerdrack von der Westküste folgten auf den weiteren Spitzenrängen der Flensburger Tim-Ole Petersen (Zippel's Läuferteam/29:12) und der Waabser Patrik Stein (Laufen gegen Leiden/29:22).

Die Veranstalter und die Aktiven freuten sich, dass pünktlich zum Startschuss die Sonne nach Schleswig fand und den Athleten so noch einen spätsommerlichen Lauf bescherte. Anders als beim verregneten Stadtlauf im Mai hatten sich die Organisatoren indes trotz dunkler Wolken am Morgen keine Sorgen gemacht, dass das Wetter eventuelle startwillige Läufer abhalten könnte. "Auch Regen hätte wohl keinen Athleten ernstlich verschreckt. Wer sich an die Treppe traut, der nimmt auch andere Unbilden in Kauf", erklärte Claus Reusch von Spiridon Schleswig.